Mehr Wolfsattacken - Weidetierhalter fordern wirksameren Schutz

Nach dem Anstieg der Wolfsattacken auf Schafe und andere Nutztiere fordern Halter der Weidetiere schnellere Informationen und wirksamere Gegenmaßnahmen. «Wir warten seit fast einem Jahr auf die Förderrichtlinie, bei der endlich 100 Prozent der Kosten bei Schutzmaßnahmen übernommen werden», sagte der Vorsitzende des Landesschafzuchtverbands, Jürgen Lückhoff, der Deutschen Presse-Agentur. Das sei überfällig. Mit der Richtlinie wollte das Schweriner Umweltministerium die Akzeptanz für die Wiederansiedlung von Wölfen steigern. Bisher wird nur ein Teil der zusätzlichen Kosten getragen. Umwelt- und Agrarminister Till Backhaus (SPD) hatte die höhere Förderung vor einem Jahr angekündigt.


Die Behörden sollten auch bei Verdachtsfällen schneller informieren, damit benachbarte Tierhalter sich besser auf Raubtiere einstellen könnten, forderte Lückhoff. Das habe 2019 gefehlt. «Uns hat der neue Rekord an gerissenen Nutztieren nicht überrascht», erklärte Landesbauernverbandspräsident Detlef Kurreck. Je mehr Wölfe es gebe, desto häufiger würden Schafe, Damwild und Rinder attackiert.


«Wir können den Satz, die Tierhalter sollen ihre Tiere besser schützen, nicht mehr hören», sagte Lückhoff. Es sei sehr leicht, politisch einfach Sachen zu fordern, die Andere dann bezahlen sollen. «Mecklenburg-Vorpommern ist das letzte Bundesland, wo die Präventionskosten für Wolfsschutz bisher nicht zu 100 Prozent übernommen werden», erklärte Kurreck.


Die Schafhalter sehen auch die Bundespolitik gefordert. Im Bundesnaturschutzgesetz, das derzeit beraten wird, sollte eine «begrenzte und kontrollierte Entnahme» von Wölfen aufgenommen werden. «Das ist in anderen EU-Staaten auch möglich», sagte Lückhoff. Außerdem müsse die Berliner Koalition ihre Koalitionsvereinbarung umsetzen. Diese sehe «einen gemeinsamen Kriterien- und Maßnahmenkatalog von Bund und Ländern vor».


Dass immer im Herbst und Winter die meisten Nutztiere gerissen werden, ist für Bauernpräsident Kurreck normal. Im der warmen Jahreszeit gebe es genug Rehkitze oder andere Jungtiere, die Wölfen zum Opfer fallen. Wenn solche Wildtiere größer werden und somit schwerer zu jagen sind, dann wenden sich die Raubtiere wieder Nutztieren zu. Dazu komme, dass Jungwölfe sich nach dem Weggang vom Rudel ausprobieren. Man müsse jetzt deshalb wieder verstärkt mit Wolfsattacken auf Damhirsche in Gattern, Rinder oder Schafe rechnen.


Bis November 2019 gab es in Mecklenburg-Vorpommern 37 Wolfsangriffe auf Nutztiere, deutlich mehr als im ganzen Jahr 2018. Dabei wurden knapp 190 Schafe und andere Nutztiere getötet oder verletzt. Auch das seien deutlich mehr. Im Nordosten leben nach Angaben des Ministeriums acht Wolfsrudel, die sich Territorien im Süden an den Landesgrenzen zu Brandenburg und Polen teilen, sowie mehrere Wolfspaare und Einzeltiere, die im ganzen Bundesland aktiv sind. So gab es 2019 auch Wolfsattacken auf Schafe auf dem Darß, wie Lückhoff erklärte.

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